6. Unvermeidlich

Der nächste Tag bricht an.
Wanda weiß immer noch nicht so recht was sie von der Eröffnung ihrer Mutter bezüglich Uroma Anne und ihrer Tradition halten soll und sucht das Gespräch mit ihr.
Oana versichert ihr, dass es ihr weiteres Leben ungemein bereichern wird und sie dem Ganzen eine Chance geben soll. Es sei nicht so schlimm wie es sich vielleicht anhöre. Und wenn es ihr widerstrebt Kinder von verschiedenen Männern zu bekommen, kann sie sich genau wie ihre Oma Gladys einen Mann suchen, der der Vater ihrer Kinder werden soll. Wichtig ist nur, dass die Bonny Gene möglichst vielfältig fortbestehen, denn das ist es was Urgroßmutter Anne sich für ihre Nachkommen gewünscht hat.

Wanda nickt nachdenklich. Je mehr sie darüber nachdenkt, desto besser gefällt ihr die Idee. Eine ganze Schar süßer Babys von Georgio! So schlimm kann das schließlich nicht sein.
Obwohl… Er hat sich schon lange nicht mehr bei ihr gemeldet. Ob er sie überhaupt noch mag? Ihre Zweifel an ihrer Beziehung wachsen mit jedem Tag, der verstreicht und an dem ihr Handy stumm bleibt. Verhält sich so wirklich ein fester Freund? Irgendwie kann sie sich das nicht vorstellen.
Vielleicht muss sie sich schon bald einen neuen Freund suchen. Devon wäre bestimmt eine gute Wahl.
Während ihre Gedanken um dieses Thema kreisen, zieht sie ihre Mutter in eine herzliche Umarmung. Sie ist sehr froh sie an ihrer Seite zu wissen. Gemeinsam mit ihr kann sie jeglichen Hindernissen trotzen, fühlt sich sicher und beschützt.

Doch was passiert dann?
Wieso greift Oana sich plötzlich mit einer Hand an ihr Herz und sackt in sich zusammen, als wären ihre Beine mit einem Mal zu schwach, um ihr Halt zu geben?

Wanda begreift zunächst nicht, was das alles zu bedeuten hat, ist wie gelähmt und sieht hilflos mit an, wie Oana sich ein letztes Mal aufbäumt, so als würde sie sich wehren, ehe sie regungslos am Boden liegen bleibt.
Dann sickert die schreckliche Erkenntnis wie zähflüssiger Honig in ihren Verstand. Oana ist soeben gestorben. Ihre geliebte Mutter ist tot.

Ein lauter Entsetzensschrei bricht aus Wandas Kehle hervor. Fassungslos schlägt sie die Hände vor ihrem Mund zusammen und versucht das Schluchzen mit der Faust zu ersticken, das ihr die Luft zum Atmen abzuschnüren droht.
Nein.
Das kann einfach nicht wahr sein.
Ihre geliebte Mutter darf doch nicht einfach so sterben und sie allein zurücklassen.
Nicht jetzt. Nicht so.

Doch sie kann den kalten Hauch des Todes bereits in ihrem Nacken spüren. Der Sensenmann ist gekommen um Oanas Seele für immer fort zu nehmen.
Nein. Auf keinen Fall wird sie das zulassen.
Verzweifelt wirft Wanda sich vor der unheimlichen Kapuzengestalt auf die Knie und fleht um das Leben ihrer Mutter.
So sehr hofft sie, dass er sich von ihren Tränen erweichen lässt, Erbarmen zeigt und ihr noch ein paar Tage mit Oana gewährt, damit sie sich von ihr verabschieden kann, doch ihr Flehen stößt auf taube Ohren.
Erneut ist der Sensenmann kalt und unbarmherzig und beharrt darauf, dass Oanas Lebensfaden zu Ende gesponnen ist.
Ihre Zeit ist abgelaufen. Unwiderruflich.

Wandas Trauer ist unbeschreiblich groß und sie bricht laut schluchzend beim leblosen Körper ihrer Mutter zusammen.
Wie sehr wünscht sie aus diesem grässlichen Alptraum aufzuwachen, die Zeit zurückzudrehen, irgendetwas! Wenn Oana doch nur wieder leben würde.

Doch das wird sie nie wieder.
Wanda hört das furchtbare Sirren, als der Sensenmann seine Klinge schwingt und mit eiskalter Präsizion Oanas Seele von ihrem Körper trennt. Sie hat das Gefühl er würde ihr das Herz bei lebendigem Leib heraus schneiden, so groß ist ihr Schmerz.

Blaues Glühen steigt von Oanas sterblichen Überresten auf, als ihre Seele ihren Körper verlässt und wie magnetisch angezogen zum Tod schwebt, um dort in seiner Hand gleißend hell zu verschwinden.

Nun ist es endgültig.
Ihre geliebte Mutter ist für immer fort.
Nie wieder wird sie mit ihr lachen, sie trösten, ihr Mut machen, für sie da sein. Sie hat sie für immer verloren.
Und ihr bleibt nichts weiter als an ihrer Urne um sie zu trauern.

Wanda weiß nicht wie lange sie weinend am Boden kniet und sich in ihrem Schmerz wiegt, der sie wie eine tosende Flut umspült. Sie ist verloren in einem Meer von Tränen, erfüllt von Verzweiflung, ohne Aussicht auf Rettung.
Als sich plötzlich eine Hand warm und schwer auf ihre Schulter legt, zuckt sie erschrocken zusammen und blickt hoch in das Gesicht von ihrem Freund Chase, der sich ganz schön verändert hat.
Er sieht älter aus, reifer, wie ein Erwachsener, nicht mehr wie ein Teenager.
Irgendetwas in ihrer Magengegend beginnt zu flattern bei seinem Anblick, aber sie ignoriert es und lässt zu, dass er sie sanft an den Händen ergreift und ihr aufhilft.

Dankbar nimmt sie das Taschentuch an, dass er ihr reicht, und wischt die schlimmsten Tränenspuren fort, ehe sie mit zitternder Stimme wissen will: „Chase, was… was machst du denn hier?“
„Ich wollte dich besuchen. Und dann höre ich dich weinen und musste einfach wissen was hier los ist. Tut mir leid, dass ich einfach ungefragt hier eingedrungen bin.“ Sein Blick ist ernst, als er sie forschend ansieht. „Und noch viel mehr, tut mir dein Verlust leid. Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen wie schwer das für dich sein muss.“
Bei seinen mitfühlenden Worten glitzern erneut Tränen in Wandas Augen und ihre Oberlippe zittert verräterisch. Hilflos lässt sie zu, dass er seine Hände auf ihre Schultern legt und leise beruhigende Worte zu murmeln beginnt.

Sie ist unendlich dankbar, dass er ausgerechnet jetzt aufgetaucht ist und ihr beisteht. Ohne ihn wäre sie wahrscheinlich längst in dem Meer ihrer Tränen ertrunken.

„Danke“, flüstert sie leise und schenkt ihm ein zaghaftes Lächeln.
Gott, wahrscheinlich sieht sie furchtbar aus, ganz verheult, mit geschwollenen geröteten Augen.
Er erwidert ihr Lächeln freundlich und streicht noch einmal beruhigend über ihre Oberarme, ehe er sie los lässt. Komischerweise vermisst Wanda augenblicklich den Körperkontakt zu ihm und würde sich am liebsten zurück in seine starken Arme schmiegen.
„Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst, Kleines. Immer. Vergiss das nicht.“
Seine Worte schnüren ihr die Kehle zu und sie nickt.

Als er gehen will, hält Wanda ihn zurück.
Sie erträgt den Gedanken nicht allein in dieser riesigen Wohnung zu sein, wo alles sie an Oana erinnert.
Schon gar nicht, da das Weihnachtsfest vor der Tür steht. „Bitte bleib“, flüstert sie, woraufhin er sie erstaunt ansieht. „Nur für ein paar Tage… Bis es mir… besser geht. Bitte.“
Sie schickt einen flehenden Blick hinterher und kann förmlich sehen, wie er weich wird und all seine Bedenken über Bord wirft. „Also schön. Ich bleibe für ein paar Tage, wenn du das möchtest.“

„Das wäre schön.“
Dankbar schmiegt Wanda sich in seine Arme. Es tut gut so einen guten Freund wie Chase zu haben, der in dieser schweren Zeit für sie da ist. Sie fühlt sich in seiner Gegenwart so sicher und geborgen und ihr wird etwas leichter um ihr von Trauer umwölktes Herz.
Wie gut, dass sie ihn hat…

Und damit endet meine dritte Generation der Bonnys.
Liebe Oana, du warst so ein fröhlicher und lebenslustiger Sim und wirst immer einen Platz in unseren Herzen behalten.
Wir werden dich sehr vermissen ❤


Doch jedes Ende bedeutet bekanntlich auch einen Anfang. Und den werden wir schon bald mit Wanda erleben, denn ihre Geschichte fängt gerade erst an.

Vorher werde ich aber noch ein kleines Special veröffentlichen, die Outtakes dieser Generation, wenn ihr so wollt. Freut euch darauf!

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